Vom Druck zum Lackieren

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, und so arbeite ich nun seit fast zehn Monaten in einer neuen Branche: Dem Lackieren. Nicht mit der Lackierpistole, natürlich, sondern immer noch mit Laptop und Indesign als Journalist. Aber neu ist die Branche schon, auch wenn es auf den ersten Blick wieder darum geht, Substrate möglichst perfekt zu beschichten.

Lackieren: Eine Branche und doch keine Branche

Der wichtigste Unterschied vielleicht: Während die Druckindustrie, oder besser gesagt die Grafische Industrie, bei aller Heterogenität doch eine zusammengehörige Branche ist, ist die Lackiertechnik eine Querschnittstechnologie, die in sehr vielen verschiedenen Branchen Verwendung findet. Von Medikamentenkapseln bis hin zu Ölplattformen wird so ziemlich alles lackiert. Übergreifende Verbände speziell für diese Technologie gibt es jedoch kaum. Was es gibt, sind Forschungs- und Serviceverbände wie die DFO und natürlich uns, besser lackieren. Das hat natürlich auch seine Vorteile, wertet es doch das eigene Medium als Kristallisationspunkt einer Branche, die sich selber kaum als Branche versteht auf.

Lackieren einer Karosserie

Lackieren einer Karosserie mit einer Dürr-Anlage

Demnächst mehr dazu an dieser Stelle.

Zurück an die Arbeit

Zwei große Umzüge, eine süße kleine Tochter und eine große berufliche Chance für meine Frau: In den vergangenen Monaten gab es so einiges, das mich von meiner Arbeit abgelenkt hat. Und es hat durchaus Spaß gemacht. Besonders meiner kleinen Tochter beim Wachsen zuzusehen war faszinierend. Als ihr großer Bruder in dem Alter war, pendelte ich zuerst unter der Woche nach München, dann täglich nach Hamburg – und habe dabei wohl einiges verpasst. Nun ist aus dem Baby eine junge Dame geworden, die läuft, klettert, mit Lego baut, spricht und Handys zerlegt. Meine Frau hat sich im neuen Job etabliert und auch im Reihenhäuschen hängen die Gardinen und Lampen. Zeit, zurück an die Arbeit zu gehen, also!

Neue Ideen

Denn einiges schwirrt mir schon seit längerem an Ideen durch den Kopf, für das einfach zu wenig Zeit war. Aber für uns Journalisten zählt am Ende nur das, was auch tatsächlich publiziert wird. Der Umzug nach Bremen bietet mir dabei die Möglichkeit, neue Regionen zu erkunden, die von Berlin aus nur schwer zu erreichen waren: Bremen und Niedersachsen natürlich, aber auch Hamburg ist nur noch so weit entfernt, wie eine Fahrt mit der Berliner S-Bahn von Reinickendorf nach Wannsee. Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein oder auch Hessen sind so nah gerückt, dass ein Tagestrip locker möglich ist. Selbst die Niederlande und Belgien liegen nun um die Ecke. Viel Arbeit also!

Arbeit

An die Arbeit

 

 

Manroland wird zerschlagen

Bald wird der Schriftzug Possehl das Manroland-Logo auf dem Dach des Stammsitzes in Augsburg ergänzen

Wie die Lösung für den insolventen Druckmaschinenhersteller Manroland aussehen könnte, hatte sich ja bereits in den vergangenen Tagen abgezeichnet; dass nun die einzelnen Werke künftig getrennte Wege gehen, kann daher nicht überraschen. Beim Stammwerk in Augsburg kommt mit der Possehl Gruppe aus Deutschland nun ein solider Maschinenbaukonzern zum Zuge. Hier werden die Rollenoffsetmaschinen für den Zeitungsdruck produziert. Für Plauen und Offenburg gibt es derweil noch keine endgültige Lösung. Die Bogenoffsetproduktion in Offenbach wird wohl eigene Wege gehen. Die Rede ist von einem Management-Buy-Out. Notwendig ist dazu allerdings die Unterstützung des Landes Hessen. Der Standort Plauen könnte am Ende ebenfalls bei Possehl landen, aber auch hier gibt es noch Klärungsbedarf.

Sicher ist derweil, dass viele Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Offizielle Zahlen gibt es dazu noch nicht; Gerüchte sprechen aber von der Hälfte der Beschäftigten. Auf gut deutsch bedeutet das, dass die Anzahl der produzierten Maschinen deutlich sinken wird. Eine Einschätzung zu der auch das Management von Heidelberger Druckmaschinen gekommen ist, wo heute ein Programm bekanntgegeben wurde, dass den Abbau von bis zu 2000 Arbeitsplätzen vorsieht.

Galerie

Mailingtage im Bild

Und noch ein paar Bilder, diesmal von den Mailingtagen in Nürnberg am 8. und 9. Juni. Ich habe es leider nur für einen Nachmittag geschafft hinzufahren, aber ganz entgehen lassen wollte ich mir die Mailingtage auch nicht. Das Rahmenprogramm ist meistens interessant und es gibt viele gute Ideen besonders aus dem Direkt-Mailing-Bereich zu sehen. Das Schöne ist auch immer, dass man Menschen trifft, mit denen man zuvor viel telefoniert hat. Bei mir waren das diesmal zum Beispiel Robert Schneider von w&co aus München und Dorothe Eickholt von Swiss Post International Germany. Auch meinen alten Chef aus Haymarket-Tagen habe ich wiedergetroffen: Wolfgang Klages arbeitet jetzt für das Dresdner Medienhaus SDV – allerdings von Hamburg aus.
Ich werde jedenfalls zusehen, dass ich es nächstes Jahr wieder zu den Mailingtagen schaffe. Hier nun meine Fotos:

WWF-Format: Ausgezeichnete Idee

Ich muss gestehen, dass ich selber erst ziemlich spät auf diese Kampagne gestoßen bin. Die Idee ist aber einfach Klasse. Jung von Matt hat für den World Wide Fund for Nature (WWF) ein eigenes Datei-Format entwickelt: „.wwf“, das mit einem Installer auf Mac oder PC verfügbar gemacht wird.

Die Website und der Installer für das wwf-Format

Eigentlich ist das nur ein abgewandeltes PDF, bei dem die Drucken-Funktion ausgeschaltet ist. Man könnte das also problemlos mit Acrobat selber machen. Zudem muss der Empfänger den Dateityp noch seinem PDF-Reader zuordnen.
Davon abgesehen ist das aber ein innovatives und von hinten bis vorne stimmiges Konzept und bringt die Message „Save as WWF, Save a Tree“ perfekt rüber. Das fanden die Juroren beim ADC 2011 übrigens auch und verliehen Jung von Matt den Grand Prix für die Kampagne.

Burda kauft Sebald

Die ersten Schlott-Mitarbeiter können aufatmen. Burda hat die Nürnberger u.e. sebald druck GmbH aus dem Nachlass des insolventen Rollendruckkonzerns erworben und will den Betrieb weiterführen. Einen bitteren Aspekt gibt es aber doch: 53 Mitarbeitern wurde noch vor der Übernahme die Kündigung ausgesprochen. 220 Mitarbeiter behalten ihren Arbeitsplatz.

Einen neuen Eigentümer hat auch die Schlott-Werbeagentur „media2print GmbH“. Sie geht an die Bremer Stark Unternehmensgruppe.

Nach der gestrigen Schließung des Standortes Broschek Hamburg hat der Insolvenzverwalter damit einige große Brocken abgearbeitet. Spannend wird zu sehen sein, was aus Freudenstadt wird und was aus Lübeck.

Druckmaschine bei u.e. sebald in Nürnberg

Druckmaschine bei u.e. sebald in Nürnberg

Zeitung aus dem Drucker?

Sieht so die Zukunft aus: Morgens, kurz bevor man aus dem Haus geht, schmeißt man seinen Drucker an, trifft eine kleine Auswahl und 30 Sekunden später hält man die wichtigsten, aktuellen Nachrichten des Tages in der Hand. So etwa sieht die Vision aus, die der Druckerhersteller HP jetzt mithilfe des Focus Realität werden lässt. Möglich macht es der Internet-fähige HP Officejet Pro 8500 eAIO, der seinen Benutzer über eine App die Art der Nachrichten auswählen lässt, diese über das Internet vom Focus bezieht und dann direkt ausdruckt.

Wo der Nutzen für HP liegt ist offensichtlich: Im Druckbereich lebt das Unternehmen vom Tintenverkauf und eine Befüllung mit Originaltinte für das edle Gerät schlägt mit fast 100 Euro zu Buche. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Für den Focus ist es ein interessantes Modell, sich Druckkosten und Vertrieb zu sparen; die mitausgelieferte Werbung sollte die Kosten schon wieder reinbringen und vielleicht macht der Auszug ja Lust, die Heftausgabe zu kaufen.

Bleibt bloß noch der unberechenbare Leser. Wird er das Angebot nutzen? Erfahrungen mit der Lufthansa- oder DB-Ausgabe des Handelsblatts, die ähnlich produziert wurde/wird, zeigen, dass das vielleicht kein gigantisches Vertriebsmodell ist, aber durchaus gerne mitgenommen wird.

Focus

Der Focus als Beispiel

Buch Digitale

Buch Digitale Auszeichnung Tredition

Sandra Latußek und Sönke Schulz erhalten den "Buch Digitale Innovation Pitch"-Award

Heute war ich auf der Buch Digitale im Berliner Ludwig-Erhard-Haus. Schöne Veranstaltung und exzellent organisiert. Selbst die Vorträge endeten präzise auf die Minute. Das große Thema waren Geschäftschancen für Buchverlage im Web und auf mobilen Geräten. Kein ganz neues Thema, sicher, aber das Thema ist „reif“ und viele verdienen bereits gutes Geld damit.
Gefallen hat mir auch der Buch Digitale Innovation Pitch: Fünf junge Unternehmen hatten exakt drei Minuten Zeit Ihre Geschäftsidee vorzustellen. Gewonnen hat am Ende Tredition.de mit ziemlich großem Vorsprung und nach der Präsentation auch sehr verdient. Als Belohnung gab’s 1000 Euro. Wenn das nichts ist.

Update: Auf druck-medien.net gibt es jetzt einen Artikel und eine Bildergalerie von mir dazu.